BootCamp-Partiotion mit Windows 7 Professional und 2 physikalischen Festplatten in VMware Fusion.

VMware Fusion – Bootcamp Partition mit mehreren physikalischen Festplatten

Wichtiger Hinweis:

Die Änderungen, welche hier beschrieben sind, erfordern etwas Mitdenken. Dieses umfasst natürlich auch das Anlegen von Backups aller hier editierten Dateien. Im schlimmsten Fall startet die BootCamp-VM nichtmehr, wenn Fehler gemacht werden.

Vorgeschichte

Vor einiger Zeit habe ich mich entschlossen, mein MacBook Pro aufzurüsten. Also habe ich eine 256GB Samsung 830 SSD und das hardwrk-Umrüstkit gekaut und mich an die Arbeit gemacht. Soweit so gut funktionierte auch alles, selbst die Windows-Installtion ging nach einigem Gefrickel sauber von der Hand. In der Praxis stellte sich jedoch ein Problem mit der Nutzung meiner BootCamp Partition in VMware Fusion dar.

Da ich sowohl für OS X als auch für Windows je eine Partition auf der SSD und eine auf der HDD angelegt und verwendet hatte, konnte ich standardmäßig nicht in VMware Fusion auf die zweite Windows-Partition zugreifen. Das Programm bietet diese Funktion (selbst in der aktuellen Version 5) in der GUI einfach nicht, obgleich die Partition unter OS X verfügbar ist.

Problem erkannt – Google musste her!

Nach einigem Suchen kam ich zu einem Workaround. Da dieser noch auf keiner deutschen Seite verfügbar ist, veröffentliche ich ihn einfach mal hier.

Vorbereitung

Für die Modifikation benötigt man ein paar Daten, als erstes beschafft man sich die Position der entsprechenden Datenpartition. Hierfür eignet sich das Festplattendienstprogramm ausgezeichnet:

Festplattendienstprogramm

Die betreffende Partition im Festplattendienstprogramm auswählen und oben auf „Info“ klicken.

Mountpoint

Neben „Medien-Identifikation“ befindet sich die physikalische Adresse der Partition.

Damit hat man das wichtigste schon in Erfahrung gebracht. Als nächstes gilt es, diese Partition mit VMware Fusion 5 bekannt zu machen.

Schritt 1: Die vmdk-Datei zum Zugriff auf die Partition anlegen

Festplatten sind in VMware Fusion – und in jeder anderen VIrtualisierungslösung – nichts weiter als Datencontainer. Im Falle von VMware geschieht dies im vmdk-Format.Im Normfall sind diese Dateien im Binärformat, bilden also die Struktur einer Festplatte ab – im Falle des Bootens einer  vorhandenen Partition sind sie jedoch nichts weiter als normale Textdateien, welche den Zugriff auf vorhandene Partitionen und Festplatten beschreiben.

Damit man diese nicht umständlich selbst anlegen muss, liefert VMware den vmware-rawdiskCreator mit VMware Fusion mit. Das Anlegen unseres Festplattenlinks ist damit mit einem einzigen Konsolenbefehl machbar:

/Applications/VMware\ Fusion.app/Contents/Library/vmware-rawdiskCreator create /dev/Festplattenbezeichner fullDevice /Dateipfad/und/Dateiname ide

Hier die Erklärung der Parameter:

  • create weißt das Tool an, eine neue Festplattendatei anzulegen
  • /dev/Festplattenbezeicher ist der Pfad zur entsprechenden Festplattenpartition, hierbei sollte „Festplattenbezeichner“ natürlich mit der der Medien-Identifikation aus der Vorbereitung ersetzt werden.
  • fullDevice weißt das Tool an, dass das gesamte Gerät benutzt werden soll. Dies ist in unserem Fall zutreffend, da wir direkt auf die Partition linken und nicht auf die Festplatte (disks1).
  • ide gibt an, welcher Festplattentyp die neue, virtuelle Festplatte hat. Ich habe mich für IDE entschieden, da die Hauptplatte in VMware Fusion ebenfalls eine IDE ist.

Schritt 2: Umkopieren der neu angelegten „Festplatte“

Als nächstes muss die vmdk-Datei in den BootCamp-Ordner kopiert werden. Der Einfachheit halber auch hier einen Konsolenshortcut dafür:

mv /Dateipfad/und/Dateiname.vmdk ~/Library/Application\ Support/VMware\ Fusion/Virtual\ Machines/Boot\ Camp/Boot\ Camp.vmwarevm/

Letzter Schritt: Verheiraten der VM mit der Festplatte

Wundervollerweise kann man diese Festplatte jetzt nicht in VMware Fusion zuweisen. Die logischen Gründe dafür sind mir leider nicht bekannt. Nichtsdestowider kann man auch hier mit einem kurzen Exkurs in die Konsole die Wogen glätten.

Die Konfiguration der virtuellen Maschine geschieht in der „Boot Camp .vmx“-Datei. Diese wird jetzt also
kurzerhand mit dem Konsoleneditor nano geöffnet:

nano ~/Library/Application\ Support/VMware\ Fusion/Virtual\ Machines/Boot\ Camp/Boot\ Camp.vmwarevm/Boot\ Camp.vmx

Dieser Befehl öffnet den nano-Editor in der Konsole:

nano in Konsole

Einfügen der Einträge in die vmx-Datei von BootCamp.

Hinweis: Die drei Zeilen im Bild müssen so angepasst werden, dass die Zahl hinter „ide“ um eins höher ist, als die vorhandenen Geräte.

Fertig!

Beim nächsten Start der VM wird die neue Festplatte automatisch eingebunden.

Hinweis: Sollte der Festplattenbuchstabe der Partition in der VM nicht mit jener auf der BootCamp-Partition bei regulärem Start in Windows übereinstimmen, so muss er noch geändert werden.Dies geschieht unter Windows so:

  1. Startmenü öffnen.
  2. Im Suchfeld folgendes eingeben (ohne „“): „compmgmt.msc“.
  3. Enter.
  4. Klick auf Datenträgerverwaltung.
  5. Datenträger auswählen.
  6. „Laufwerksbuchstabe und – Pfad verändern“

Hier kann der Festplatte ein neuer Buchstabe zugewiesen werden. Damit sollte dann auch alles so funktionieren wie es soll und Steam-Spiele, die auf der zweiten Festplatte liegen lassen sich auch wieder in der VM installieren und updaten und alle Programme, welche die zweite Festplatte benötigen, funktionieren wieder wie sie sollen.

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Sven Bischoff

Sven Bischoff, Jahrgang 1990, hat an der Hochschule Harz in Wernigerode Medieninformatik studiert und mit seiner Arbeit "Die fragile Präsenz des Autors in der Fotografie" als Bachelor of Science abgeschlossen. Er arbeitet zur Zeit als Softwareentwickler im Bereich Web-Frontend bei der ab-in-den-urlaub.de Betriebsgesellschaft mbH in Leipzig.

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