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Polaroid 104 – non-invasive Batteriemodifikation

Prolog

Vor ungefähr 2 Monaten habe ich auf eBay eine wunderbar erhaltene Polaroid Automatic 104 für 17 € ersteigert. Zusammen mit der Polaroid SX-70 Sonar, die ich kurz zuvor ersteigert hatte, wollte ich mich zurück in die Welt der Sofortbildfotografie begeben. Mit der SX-70 war das auch kein Problem. Ein PX70 Colorshade Integralfilm war schnell gekauft und die Kamera in Betrieb.

Bei der 104 sollte sich die Inbetriebnahme als etwas schwerer erweisen…

Teil 1 – der große Schock

Als ich herausgefunden hatte, wie man dieses Prachtexemplar öffnet und aufbaut, habe ich – streng nach Handbuch – erstmal geschaut, ob irgendwo sichtbare Schäden sind. Dem war zum Glück nicht so, was als nächses anstand war also ein Funktionscheck ohne Film (man will ja nichts verschwenden). Lt. Handbuch benötigt man für die Kamera spezielle Batterien, 3Volt-Zellen mit Clipanschlüssen wie sie heutzutage nurnoch 9V-Blockzellen haben. Schon machte sich ein grummeln in der Magengegend bemerkbar. Als ich den Impossible-Shop zu diesem Problem befragte, bestätigte sich schnell meine Vermutung.
Das gute Stück soll nämlich satte 18€ kosten – ohne Versand!

Mit Versand wäre ich also ungefähr bei 25€ gewesen und das erschien mir für eine Batterie unangemessen.

Die Frage war also: „Was tun?“ Ich suchte im Netz und fand günstigere Angebote für diese Batterien, aber trotzdem waren es keine Preise, die ich bereit war zu zahlen. Davon ab kam der Versand immer aus den USA – was die Angelegenheit immer verteuerte.

Zum Glück brachte mich Jochen, ein befreundeter Fotograf auf eine tolle Methode: 2x AA/Mignon-Zellen in Reihe geschaltet ergeben ebenfalls 3 Volt.

Teil 2 – Der Umbau

Ein kleiner Hinweis zum Anfang:
Habt ihr ein Modell erwischt, dass etwas dreckig ist oder etwas Flugrost hat, empfiehlt sich die Anleitung auf dieser Seite. Lasst aber bitte den invasiven Umbau auf Seite 6 aus!

Sogleich besuchte ich den Elektrodealer meines Vertrauens und kaufte mir für unglaubliche 0,80€ der Komponenten zwei; einen Batteriehalter mit An/Aus-Schalter und einen 9V-T-Clip, beides jeweils mit Kabel.

Als erster und einzig invasiver Vorgang musste ich im Batteriefachdeckel der 104 etwas Platz schaffen, um Kabel nach aussen zu leiten. An der Unterseite der Abdeckung befindet sich eine schmale Einbuchtung. Diese wird etwas nach innen gebogen, damit die Kabel nicht durchtrennt werden.

Als nächstes wird der T-Clip in der Mitte auseinandergetrennt, so dass beide Kontakte einzeln liegen. Hierbei muss darauf geachtet werden, die Lötpunkte und die Kabel nicht zu beschädigen.

Danach werden die Clips einfach an die Litze des Batteriehalters gelötet und die Lötstelle mit Isolierband umwickelt.

Den Batteriehalter habe ich mit 3 Klebepads (Uhu FIX) am oberen Ende des Batteriedeckels. Die Kabel habe ich sowohl aussen als auch innen mit nochmal je einem Pad und etwas Isolierband fixiert. Zum Schluss wird der neue Batteriehalter an die Kontakte in der Kamera angeschlossen. Da die alten Anschlüssen nicht genau den 9V Clips entsprechen ist eventuell etwas (vorsichtiges!) Biegen mit einer feinen Zange notwendig.

Jetzt wird der Batteriehalter mit 2 Mignon-Zellen bestückt und der Schalter auf „On“ gestellt.

Teil 3 – Der Moment der Wahrheit

Beim Herausfinden ob der Umbau erfolgreich war, half mir ebenfalls wieder der gute Jochen.

Man öffne einfach die Filmbox, spanne den Auslöser, schaue auf die (geschlossene) Blende, löse aus und wenn sich die Blende kurz öffnet, war der Umbau erfolgreich.

Gesagt, getan, gefreut.

Mein Umbau hat geklappt, zum Schluss noch ein paar Aufnahmen der „mod. Automatik-104“:

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Sven Bischoff

Sven Bischoff, Jahrgang 1990, hat an der Hochschule Harz in Wernigerode Medieninformatik studiert und mit seiner Arbeit "Die fragile Präsenz des Autors in der Fotografie" als Bachelor of Science abgeschlossen. Er arbeitet zur Zeit als Softwareentwickler im Bereich Web-Frontend bei der ab-in-den-urlaub.de Betriebsgesellschaft mbH in Leipzig.

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